Besetzt! /RE-PORT 39

Etwas verspätet treffen wir Robert Foltin aka Fuzi, einen arbeitslosen Buchautor, wie er sich selbst bezeichnet, vor dem mo.ë im 16. Bezirk. Das mo.ë ist eine Art Werkstatt für Kunst und Kultur in der ehemaligen Orden- und Medaillenmanufaktur „Mandelbaum“. Mimie, ein Teammitglied, öffnet uns die Tür. Drinnen findet noch eine Probe für ein Theaterstück statt. Nachdem sich die Schauspielgruppe für eine Besprechung nach draußen setzt, beginnen wir mit dem Dreh. Fuzi schreibt Bücher über soziale Bewegungen in Österreich. Hausbesetzungen spielen dabei eine große Rolle. Vor allem früher war er viel am Geschehen beteiligt und konnte so die Entwicklungen bis in die 2000er Jahre beobachten. Momentan wohnt er im 8., schwärmt aber immer noch für den 15. Bezirk. Ich wäre gern wieder dort, von der Struktur, dort gibt’s viel MigrantInnen, dort gibt’s eine Infrastruktur, dort ist ein Leben.“ Gemeinsam mit einigen anderen ist er gerade auf der Suche nach einem Wohnprojekt. Wichtig ist ihm dabei, dass es in der Stadt ist und dass es eine Terrasse oder einen Garten gibt. Fürs Besetzen fühlt er sich schon ein bisschen zu alt.

mo.ë

Bevor wir uns auf den Weg zum nächsten Interview machen, lassen wir noch den Dreh beim billigsten Bier am Yppenplatz im „Cafe 3 Linden“ ausklingen. Die anarchistische Bibliothek befindet sich auf der Lerchenfelderstraße, versteckt im 3. Hof eines Wohnhauses. Dort treffen wir Andi, der gemeinsam mit anderen die Bibliothek vor 5 Jahren gegründet hat. Sie ist nicht nur ein Ort an dem man Bücher lesen und ausborgen kann, sondern mittlerweile auch ein Treffpunkt für Diskussionen oder auch einfach nur für gemeinsames Abhängen geworden.

Andi

Andi ist ehemaliger Bewohner des Ernst-Kirchweger-Hauses, ein ehemals besetztes Haus in der Wielandgasse im 10. Bezirk. Heute wird dort immer noch gewohnt, es gibt einen Infoladen und es finden Workshops, Partys und andere Veranstaltungen statt. In der Zeit im EKH hat Andi vieles gelernt. Vor allem was kollektives Leben und gemeinsame Entscheidungen treffen angeht. Am wichtigsten aber ist die Erkenntnis, dass man die Dinge selber machen kann und vieles schaffen kann, wenn man die richtigen Leute an seiner Seite hat. Heute wohnt er in einer WG. Die Zeit im EKH bereut er aber nicht. Es war genau das, was er damals wollte.

EKH1

Wenn man sich das Gebäude anschauen möchte, muss man gar nicht lange suchen, man erkennt es sofort. Die Fassade ist mit den Zitaten „A Kiwara is ka Hawara“ und „Wahlen ändern nichts, sonst wären sie verboten. Nimm dein Leben selbst in die Hand“ getagged. Auch die Sockelzone ist voll mit Sprüchen und Plakaten. Doch das beschränkt sich nicht nur auf das EKH. In der ganzen Gegend spürt man die Anwesenheit. Gar nicht negativ, es ist eben da, es hat sich verwurzelt.

Rechtschreibung

Ein Beitrag von Bernhard Mayer, Theresa Margraf & Christoph Holzinger

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